Meine Arbeit mit den Damen besteht wie gesagt daraus, sie zu beschäftigen. Ein Projekt, das sich auch als regelmäßig etabliert hat sind die Computer Lessons. Mittlerweile haben wir jeder einen Email Account eingerichtet und das mit dem Doppelklick klappt auch schon besser. Was allerdings Probleme bereitet ist ihre krasse Naivität. Die Ladys klicken auf jede Werbung die ihnen über den weg läuft, sobald sie etwas mit Celebrities zu tun hat. So, dann geben sie munter ihre Handynummern oder ihre Adresse ein, bis ich von meinem Kaffee aufschrecke und ihnen eine Standpauke über Datenmissbrauch halte. Oder sie lesen sich ellenlange Nachrichten durch wo detailliert beschrieben wird, dass man nur auf folgenden Link zu klicken hätte und sofort würde der immer noch geliebte Ex zurückkommen und man gewinne seehr viel Geld etc. Auf meinen Hinweis, diese Mail sei nur Schwachsinn und Abzocke reagierten sie verständnislos mit dem Argument, die Mail wäre doch an sie persönlich adressiert…
Montag, 27. Oktober 2008
Umgang mit Behinderten
In Südafrika ist das so eine Sache. „Behinderte und Homosexuelle sind nicht normal“, und das lässt man sie auch deutlich spüren. Familien tun sich schwer mit einem behinderten Kind, wobei das in der Großstadt noch liberaler ist als auf dem Dorf. In dem Heim spürt man das deutlich, denn Sibongile ist auf die Hilfe der anderen angewiesen wenn es um Essen oder Trinken geht. Sie kann die Sachen nicht alleine zubereiten und so wartet sie immer auf die anderen. Die knallen ihr dann das Brot vor die Nase, kein Bitte und gar nichts. Sibongile soll bloß spüren, dass es ihnen keinen Spaß macht, dass sie den Diener spielen müssen! Das Ding ist, sie kann sich auch nicht wehren. Nur manchmal wird Sibongile richtig pampig, dann muss ich auch lächeln, weil sie auf Zulu vor sich hin schimpfelt und keiner versteht sie. Nee, das ist jetzt alles nicht so dramatisch wie es sich anhört, die Mädels schauen schon, dass es im Großen und Ganzen nicht ausartet. Was ich ziemlich schade finde ist, dass zwischen den Mädchen oft eine feindliche Stimmung herrscht. Es bilden sich Grüppchen (Größere gegen die Kleineren) und Klauen ist auch ein großes Thema. Leider. Anstatt sich durch das gemeinsame Schicksal verbunden zu fühlen, schaut jeder (insbesondere die Großen) sich so gut es geht abzugrenzen, weil sie mit den anderen am liebsten nichts zu tun haben wollen.
Ich habe vorhin das Verhältnis der Südafrikaner zu Homosexuellen angeschnitten, das muss ich noch kurz erläutern; so, und zwar werden sie hier als krank und pervers bezeichnet. Ich kenne ein Mädchen, sie ist lesbisch und hat erst gar keine Lust, sich auf die ganzen Diskussionen einzulassen, die es nach ihrem Outing geben würde. Deswegen wissen es nur die wenigsten. In der Hinsicht müssen die (Süd)Afrikaner meiner Meinung nach noch einiges an Toleranz lernen.
Fluechtlinge
Aus Zimbabwe geflohen, weil dort die politischen Umstände nicht lebenswürdig waren, wurden Hunderttausende abermals verscheucht, nur diesmal aus dem Land von dem sie sich Hilfe erhofft hatten. Nach der Xenophobie Anfang des Jahres wurde hier kurzfristig illegalen Flüchtlingen eine provisorische Unterkunft eingerichtet. Marabastad heißt dieser Ort in Pretoria. Elias, „Mädchen für alles“ bei PCM, hat uns dort mithin genommen, als er den Flüchtlingen Essen brachte, welches eine große Supermarktkette für nicht mehr verkaufbar hielt und es an PCM spendete.
Wir fuhren also auf ein altes Fabrikgelände, welches direkt an das Amt für deren Aufenthaltserlaubnis grenzt, und holten schnell alle Kartons aus dem Auto. Daraufhin stürzten sich die Menschen auf die Kartons, egal was drinne war, Hauptsache sie hatten irgendetwas. Es stank unglaublich in diesem Hinterhof und bevor ich mir ein richtiges Bild machen konnte wies uns Elias an, schnell ins Auto zu steigen und wir fuhren wieder nach Hause.
Sobald es geht, werde ich mit Jane oder Mashadi in andere Townships, z.B. Cullinan oder Soshanguve fahren, um dort mit den Mädchen zu sprechen und ihnen Hilfe anzubieten.
Prison Outreach
Jeden Mittwoch kommt Cecile um Mashadi, Henri und mich abzuholen damit wir ins Gefängnis fahren können. Nach strengen Sicherheitsvorkehrungen sind wir endlich drinnen und trommeln die Damen zu einem Stuhlkreis im Innenhof zusammen. Sie sind etwa mein Alter, was manchmal echt komisch ist, wenn man sich vorstellt man sitzt gerade einem Mädchen gegenüber, die mal eben einen bewaffneten Raubüberfall hinter sich hat. Eine singt, alle steigen ein und für ein paar Minuten kann man das Gefängnis vergessen und genießt die Lebensfreude, die auf einmal den Raum füllt. Dann spricht Cecile oder Mashadi ein Gebet, danach liest eine der beiden eine Passage aus der Bibel vor und wir sprechen darüber. Es sind immer Themen mit denen die Girls etwas anfangen können, zum Beispiel Vergebung. Manche interessiert es und sie arbeiten mit, andere sitzen teilnahmelos dabei und warten bis die „Bible-Lesson“ vorbei ist. Am Ende können sie uns eine Nachricht an Angehörige oder Freunde zu diktieren, weil sie selbst keine Möglichkeit haben mit ihnen zu kommunizieren. Wir rufen dann die Familien an und teilen ihnen mit, dass ihre Tochter im Gefängnis ist und z.B. dringend Klamotten braucht, oder wann ihr Gerichtstermin ist.
Soweit erstmal. Die naechste Ladung kommt bestimmt. Vor allem Fotos! Wir waren naemlich letztes Wochenende fuer einen kurzurlaub in Durban am Strand. Nur so viel; es war der Hammer.
Bye, bye!
Montag, 29. September 2008
Fussball Match
Das Match wurde mit etwas Kultur bereichert so zum Beispiel zwei traditionelle Tänze. Einen Zulu Dance mit richtigen Mamelodi Drummern, der andere war ein Gummistiefeltanz. WAHNSINN!! Das Rythmusgefühl der Afrikaner lässt mich immer wieder Bauklötze staunen!! Kids, die gerade 9 Jahre alt sind legen dir nen dance hin, da schlackert jeder Europäer mit den Ohren! Die Tänze werden dann immer von einem jubeln und klatschen der Zuschauer begleitet; einfach nur schoen!
Diese Veranstaltung wurde von einer Firma gesponsert (ich nenne jetzt nicht den Namen!), indem sie irgendwelche widerlichen, mokrowellenaufgewärmte, labberigen und total ungesunden Chicken-in-Blätterteig-Teile verteilt haben. Dann schreiben sich diese Firmen das auf ihre Flagge; wir helfen armen Kindern in Afrika. ja aber hallo! Mit Cola und FastFood. Genial. Und das ist auch so gesund, ne. Wasser gab es da übrigens nicht zu trinken (das trinken die hier allgemein nicht so viel). Also ich war hellauf begeistert! Als wärs nicht schon genug, kommt dann noch das Maskottchen der Firma, so ein „King Pie“ , der konnte sich in seinen Riesenkostüm überhaupt nicht bewegen und musste dann an die Hand genommen werden. Die Krone der Lächerlichkeit.
Bei der Essensausgabe wurde die Cola und der Pie dann nicht vom Stuff direkt, sondern nochmal extra in die riesigen, unbeholfenen Hände des King Pie gegeben, bevor die Kids es dann von ihm weitergereicht bekamen. Ich fands schrecklich. Und als er vorgestellt wurde, da hab ich an gar nichts mehr geglaubt, er wurde wiegesagt als King Pie vorgestellt, dann hat der Sprecher der Veranstaltung gerufen; let’s all follow our new King! King Pie! Long live King Pie! yeah!
Bitte wie krass ist das denn?! Die haben sich alle kollektiv dieser Marke unterworfen. Diese Firma hat die Kinder meiner Meinung nach üüüberhaupt nicht ernstgenommen, die haben die Kids richtig für dumm gehalten.
Noch was zu den „Wohltätigkeits“ Projekten von so Firmen: Maike arbeitet nicht bei PCM sondern via DED (Deutscher Entwicklungsdienst) bei Tateni, einer sozialen Einrichtung im Township Mamelodi, in Pretoria. Bei deren Jahresfeier gab es jedenfalls von KFC gesponsorte Chicken Teile. Tjaha, so läuft das. Und in Europa sagen sie dann, wir sind so sozial, seht her, wir geben den Kindern in Afrika etwas zu Essen. Aber WAS?
Vielleicht bin ich da ein bisschen voreingenommen, aber ich finde nicht, dass dies die „richtige“ Art ist zu „helfen“. Einfach Abfälle, die sich nicht verkaufen oder eben Chicken Dinger, die die Firma eh nichts kosten an die Kids zu verfüttern.
Ja soweit mit der Kritik...ich komme wahrscheinlich erst am Wochenende dazu ueber die ganzen Themen zu schreiben die ich im Kopf habe, bis dahin seid herzlichst gegruesst!! Und schaut euch die Fotos an!!
Um der Kritik an meinem Blog gerecht zu werden : Maria, ich find super hier ;) nee ehrlich, mit den Maedels verstehe mich super, wg laeuft bestens und ansonsten komm ich im Alltag ziemlich gut zurecht! Mehr und ausfuehrlicher dazu im naechsten Blog! Bin echt froh hier gelandet zu sein!
Liebe Gruesse an euch!!!
Sicherheit und Alltag
Dumelang! Es ist Sonntagmorgen und ich finde endlich die Zeit hier mal in Ruhe über alles Erlebte zu schreiben.
Wie bei den meisten Dingen sollte man am Anfang beginnen; also stelle ich erstmal unsere Neue vor vor. Guni ist seit 2 Wochen hier und absolviert im Rahmen ihres Studiums (Soziale Arbeit) ein 3 monatiges Praktikum bei PCM im Bereich Frauenarbeit. „Obwohl“ sie 30 ist, verstehen wir uns alle ziemlich gut, die WG läuft, wie eine WG laufen muss! Sogar der Spüldienst funktioniert reibungslos. Was das Putzen angeht sind wir fein raus, denn wir haben luxuriöser weise eine Putzfrau, hö hö. Apropos Luxus, im Garten ist ein wunderbarer Swimmingpool und wenn es Sommer wird (November, Dezember) wird auch der kräftig genutzt.
Was unser Haus angeht hat sich einiges verändert. Der Duschvorhang musste ausgewechselt werden weil er so „keimig“ war, wie Maike, meine liebe Roommate aus Weimar immer sagt. Außerdem haben wir uns Bettwäsche, Moskitonetze, Spiegel und ne Lampe gekauft. Ich habe nämlich die staaarke Vermutung, dass nach jeder Rutsche von Volontären die beiden Familien schauen was sie Brauchbares aus dem Haus haben könnten, weil ich kann mir nicht vorstellen, dass die Volontäre vor uns mit diesem minimalistischen Haushalt ausgekommen sind. Außerdem hat eine der Töchter letztens ganz nebenbei gefragt, ob wir das auch alles hierlassen, wenn wir wieder nach Deutschland gehen…Ich kanns aber gut verstehen. Bei einem Durchschnittsgehalt von 1500 Rand (150€) pro Monat kann man sich eben nur das Nötigste leisten und ist froh über alles was man kriegen kann.
Dazu fällt mir ein, wir wollten letztens Fußball spielen, hatten aber keinen Ball. Naja denn hab ich aus zusammengeknüllten Zeitungen und Plastiktüten eben selbst einen gebastelt. Das Afrika Klischee (Kinder die mit Müll spielen) mal umgedreht; Guni, Maike und Ich hatten jedenfalls ne Menge Spaß!
Nach 18.00h kommt man normalerweise nicht mehr aus dem Haus, außer man ist in Besitz eines Automobils. Gestern Abend hatten wir Glück, ich konnte eines der Autos von PCM buchen und Guni&Maike&Ich&ein Kumpel namens Musa sind nach Joburg (Johannesburg) gefahren um ein Konzert von Cajus /Blumentopf (deutscher HipHop)zu sehen. Vom Goethe Institut wurden die Jungs auf ne Afrika Tournee eingeladen, morgen geht’s nach Mozambique, dann Tansania, Namibia und Simbabwe. Wahnsinn, ich muss erst nach SA fahren um Blumentopf zu sehen, sowas…
Nachts beim Autofahren muss man immer die Türen verschlossen haben und als Frau alleine darf man über rote Ampeln fahren, natürlich nur wenn frei ist. Die Sicherheitsbedingungen sind teilweise schon krass. Unsere Fenster sind vergittert, der Garten ist mit hohen Mauer und Stacheldraht umzäunt und alles ist abgesichert. Wobei, wenn jemand will dann, schafft er es auch irgendwie einzubrechen. Jedenfalls im Burgers Park, wo die anderen Volontäre wohnen. Eines Morgens fanden sie einen Teppich über ihren Zaun geworfen, damit werauchimmer rüberklettern kann es fehlte zum Ghlueck nur ein Gartenstuhl. Der thief hätte aber mirnichtsdirnichts auch ins Haus gekonnt, da die Tür nicht richtig schließt…Ich weiß nicht ob ich schon über die Brücke berichtet habe. Sie ist etwa 2 Meter breit, 1,50m hoch und 200m lang. Wenn man dort alleine oder im Dunkeln ist, hat man absolut keine Chance zu entfliehen. Maike und ich haben deshalb sicherheitshalber das Pfefferspray ausprobiert (natürlich kurz vorm Schlafengehen und dann auch noch gegen den Wind…) aber ob das im Notfall soviel hilft weiß ich auch nicht.
Hier wird alles doppelt und dreifach abgesichert, zum Beispiel die Autos. Da gibt es dann sämtliche Formen von Alarmanlagen, Lenkradschloss und so weiter. Als Maike und Ich letztens mit dem Auto durch Hatfield (das Studentenviertel) gedüst sind haben wir vergessen die Alarmanlage auszuschalten. Auf einmal gings los, während unser Auto laut heulend durch die Straßen raste und sich alle nach uns umdrehten, suchten wir verzweifelt nach diesem dämlichen Knopf um das Ding auszuschalten, ooh mann...
Maike stellt mir netterweise ihren Laptop zur Verfügung (Danke dafür und Gruss nach Mamelodi !) auf dem ich während ich diese unglaublich vielen Zeilen verfasse, Musik höre; neben Tocotronic, Two Gallants und The Knife, läuft gerade Mardi Grass BB, es schreibt sich so viel leichter!
Oookay, Nun zu meiner Arbeit. Henri ist die dritte Volontärin im Lerato House, kam aber einen Monat später weil Theateraufführung (Brecht: Mutter Courage), sie hat dort Akkordeon(!) gespielt. Derweil nimmt unsere Arbeit immer mehr Form an, der Weekly-Plan wird mehr oder weniger nicht eingehalten, ist aber eine gute Orientierung für uns alle. Was sich schwierig gestaltet ist der Punkt, keins der Mädels zu bevorzugen oder noch schwieriger sie nicht zu vernachlässigen. Es sind 14 Girls im Haus, manche sind den ganzen Tag da, andere kommen erst um 16.00, kurz vor Feierabend. Manche sind sehr aufgeschlossen andere sehr zurückhaltend, und da ein Gleichgewicht zu finden ist nicht einfach. Aber zu dritt ist es wesentlich einfacher als alleine.
Nächste Woche sind Ferien, die die nach Hause gehen können tun das auch, für die anderen haben wir ein wuuunderbares Holiday-Program zusammengestellt, darüber schriebe ich dann im nächsten Eintrag.